Ich melde mich zurück ;)
Nachdem wir am 23.10. uns noch einmal vergewissert haben, dass auch wirklich Streik ist, haben wir uns in den Bus nach Tarapoto gesetzt.
Tarapoto
Nach min. 17h Busfahrt sind wir am Freitag in der Früh angekommen. Zuerst wurde ausgiebig am Plaza de Armas gefrühstückt und anschließend haben wir uns auf die Suche nach einem Hostal gemacht. Am Nachmittag ging es dann auch schon nach Laguna Azul, eine ca. 2h Autofahrt von Tarapoto, inkl. einer spektakulären Flussüberquerung. Es fahren den ganzen Tag Autos nach Laguna Azul, es fährt allerdings erst los, wenn min. 4 Personen dorthin wollen. (das Gleiche gilt auch für die Rückfahrt)
In Laguna Azul waren Birgit und ich die einzigen Touristen. Wir entschieden uns für eine 1h Bootsfahrt über den See, was anderes kann man dort auch nicht wirklich machen.
In der 1h Bootsfahrt war auch ein Stopp bei einer kleinen Siedlung inkludiert.
Birgit hatte schon vorher einmal erwähnt, dass sie Geflügeltiere (Hendln) nicht wirklich mag. An diesem Tag habe ich zum 1. Mal erfahren, was sie darunter versteht. Nachdem dort einige Hendln frei rumgelaufen sind, hat Birgit eine richtige Panikattacke bekommen und wir sind regelrecht aus der Siedlung geflüchtet.
Bei der Autohaltestelle haben wir dann min. 1h auf ein Auto gewartet, das uns zurück nach Tarapoto nimmt.
Am Samstag haben wir nur einen Ausflug zu den Catarata de Aguashiyacu gemacht. Eigentlich wollten wir am Nachmittag schon nach Yurimaguas aufbrechen, da aber sonntags sowieso kein Schiff nach Iquitos fährt, haben wir beschlossen noch eine Nacht in Tarapoto zu bleiben. Aufgrund der enormen Hitze haben wir daher den restlichen Nachmittag in den Hängematten auf der Dachterrasse unseres Hostals verbracht :D
Yurimaguas
Nach einer 3h Autofahrt sind wir in Yurimaguas angekommen. Kaum aus dem Auto ausgestiegen haben uns schon sämtliche Leute belagert und vollgequatscht, darunter auch James, ein Touranbieter für Lagunas. Lagunas war der nächste geplante Stopp. Eigentlich wollten wir nur zum Plaza de Armas und von da aus uns ein Hotel suchen, aber so schnell konnten wir nicht schauen, saßen wir in einem Mototaxi mit James, der uns zu einem Hostal am Plaza de Armas begleitete. Da das Hostal nicht schlecht aussah, haben wir dort auch sofort ein Zimmer genommen. Mit James haben wir uns ausgemacht, dass wir uns morgen vorm Hotel treffen - im Grunde wollten wir ihn nur los werden.
Nachdem wir am Hafen waren und uns Hängematten auf dem Deck für den nächsten Tag reserviert hatten, haben wir noch ein paar Besorgungen für die Schiffsreise getätigt. (ua. eine eigene Hängematte)
Als wir uns am Abend auf die Suche nach einem Restaurant machten, ist uns James wieder begegnet. Wir haben uns in Ruhe noch einmal von ihm "beraten" lassen, die Tour an sich hat sich nicht schlecht angehört, aber James hatte eine extreme Alkoholfahne und war irgendwie unsympathisch. Birgit und ich haben daher beschlossen, dass wir uns wie gehabt am nächsten Morgen mit James treffen und bis dahin wollten wir uns noch einmal überlegen, ob wir die Tour mit ihm machen, oder nicht.
Es hat sich in Yurimaguas ziemlich schnell herumgesprochen, dass Touristen im Ort sind, und am nächsten Tag war neben James auch noch ein anderer Touranbieter für Lagunas vorm Hotel. Der 2. Touranbieter hatte einen Bericht einer Touristen dabei, die davon geschrieben hat, dass sie zuerst die Tour mit James gemacht hat und davon abraten will, da er ein Alkoholproblem hat. Dies hat unser Bauchgefühl bestätigt und da war uns klar, dass wir keine Tour buchen sondern erst vor Ort in Lagunas uns darum kümmern.
Auf dem Weg zur Bank haben wir dann einen Amerikaner getroffen, der schon 2 Jahre in Peru gelebt hat und derzeit wieder auf Besuch ist. Er wollte auch nach Iquitos und er meinte, wenn wir zu 3. auf das Schiff gehen, bekommen wir ev. einen besseren Preis. Deshalb haben wir uns mit ihm um 10.00 vor unserem Hotel verabredet.
Da es bis dahin noch 2h waren, sind wir wieder zurück ins Hotel. Um halb 10 kommt die Frau von der Rezeption und meinte, dass jemand uns im Hoteleingang erwartet. Mit dem Gedanken, dass der Amerikaner überpünktlich ist, sind wir zur Lobby. Da haben jedoch 2 fremde Personen auf uns gewartet - ein Peruaner und eine Französin, besser gesagt aus La Reunion. Auch sie wollten uns eine Tour anbieten, aber nicht nach Lagunas sondern nach Pacasmayo, ein kleines Dorf mit ca. 50 Personen. Da das ganze wirklich seriös wirkte und der Peruaner auch noch Fotos von der Tour dabei hatte, haben wir unseren Plan nach Lagunas zu fahren verworfen und sind mit den Beiden ins Büro des Peruaners gegangen. Da mussten wir dann 300 Soles für 3,5 Tage (Montag Abend - Donnerstag) im vorhinein zahlen, da er noch das Essen für die nächsten Tage besorgen musste.
Eigentlich wollten wir ja nichts im vorhinein bezahlen, aber es wirkte alles wirklich seriös!
Da wir ja mit dem Amerikaner verabredet waren, haben wir mit unserem Tourguide ausgemacht, dass wir uns auf dem Schiff treffen.
Um 11.45 wird der Motor des Schiffes gestartet und es waren noch immer kein Elio (unser Tourguide) und keine Veronika (die Frau aus La Reunion) da. Wir wurden richtig nervös und haben sofort beim Kapitän nachgefragt, wann das Schiff ablegen wird. Da das Schiff erst um 13.00 ablegen wird, waren wir wieder etwas beruhigt, aber es tauchte kein Elio auf. Da hatte uns unser Bauchgefühl wohl getäuscht und wir ärgerten uns, dass wir nun 300 Soles in den Sand gesetzt hatten. Also zurück zu Plan A: Lagunas.
Mit Lagunas wurde es dann aber doch nichts, da um 12.40 Elio und Veronika auftauchten - wohl gemerkt 5 Minuten bevor das Schiff ablegte! Als Entschädigung durften wir aber schon vor Abfahrt einen Flussdelphin bewundern.
Pacasmayo und Pucumayo
Überglücklich, dass uns unser Bauchgefühl doch nicht getäuscht hat, sind wir nach ca. 5h Bootsfahrt in Pacasmayo ausgestiegen. Wir waren eine ziemliche "Touristenattraktion" (auch für die Einheimischen, die auf dem Schiff waren), da Pacasmayo sich im NICHTS befindet und auch keinen Hafen hat. Wir mussten also auf das Beiboot umsteigen, das uns dann zum Dorf brachte.
Die erste Nacht verbrachten wir im Dorf und am nächsten Morgen oder besser gesagt Vormittag, da es in Strömen regnete, machten wir (Elio, Veronika, Birgit und ich) uns auf den Weg in den Dschungel.
Nachdem unser Quatier aufgeschlagen war, fuhren wir in einem kleinen Kanu auf den See hinaus, um das 1. Mal Piranias zu fischen. Also das 1. Mal in dem kleinen Kanu habe ich mich wirklich unwohl gefühlt!
Am nächsten Tag wollten wir eigentlich in der Früh eine kleine Wanderung starten, aber der Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung.
Am Nachmittag probierten wir wieder unser Glück beim Pirania fischen - zum Glück hat Elio welche gefangen, sonsten hätten wir kein FRÜHSTÜCK gehabt. Ja, nachdem ich auf meinem letzten Trip ein Meerschweinchen probiert habe, stand dieses Mal Pirania auf der Speisekarte, und ich muss sagen, der ist wirklich lecker! (und das sagt jemand, der in Österreich keinen Fisch gegessen hat ;) )
Am Mittwoch haben wir eine Tour gestartet- die war ein Wahnsinn! Zwischen 550 und 850 Jahre alte Bäume, Fledermäuse, Eidechse, Affen, riesige Schmetterlinge (mit einem Durchmesser von min. 10cm), riesige Ameisen, Termiten, verschiedenste Vögel, usw haben wir zu Gesicht bekommen...Diese Tiere in Freiheit zu erleben ist unglaublich. Am Abend machten wir dann noch einmal eine Runde auf dem See Pucumayo. Die Stimmung war unbeschreiblich, der Sternenhimmel hat sich im Wasser gespiegelt und als Draufgabe hat Birgit auch noch einen Kayman gesehen, ich habe ihn leider nur mehr wegtauchen gesehen.
Am Donnerstag Vormittag wurde wieder einmal gefischt, schließlich brauchten wir ja auch was zum Essen. Ich müsste ja verhungern, da ich die Piranias mit meinen Ködern eher gefütter habe ;) Aber zum Glück war Birgit dabei, die hat 3 erwischt! Da kommen ungeahnte Talente zum Vorschein.
Nach dem erfolgreichen Fischen machten wir uns auch leider schon wieder auf den Rückweg ins Dorf, da am späten Nachmittag/Abend ein Boot nach Iquitos vorbei kommen sollte. Auf dem Rückweg haben wir dann noch eine Tarantel gesehen.
Donnerstag Abend: Man stelle sich 3 Personen in einem kleinen Boot vor, die das Vorhaben starten, dem schon seit Stunden "hörbarem" Boot nach Iquitos entgegenzupaddeln. Nachdem die Sonne untergegangen ist, kommt auch ein Boot vorbei. Die 3 Personen setzen alles darauf, sich bemerkbar zu machen. Einer paddelt und 2 wedeln wie verrückt mit den Taschenlampen, das Schiff ignoriert jedoch das kleine Boot und setzt unbeirrt seinen Weg fort nach Iquitos. Etwas enttäuscht kehren die 3 Personen zu ihrem Ausgangspunkt zurück. - ein schlechter Film? Nein, Tatsache :D Es war ein 4stöckiges Schiff und diese Schiffe nehmen unterwegs keine Leute auf.
Ich musste an diesem Tag schon Tränen lachen, so witzig war die Situation - Birgit fand das alles allerdings weniger lustig und hat mich innerlich verflucht, aber mittlerweile muss auch sie darüber lachen.
Den Freitag haben wir in der Hängematte mit Mosquitonetz verbracht, da wir schon ziemlich zerstochen waren. (Wenn man die Fotos aus dem Dschungel sieht, könnte man den Eindruck bekommen, dass uns kalt war, was durchaus nicht der Fall war - die viele Kleidung war vielmehr der klägliche Versuch, uns vor den Mosquitos und Gelsen zu schützen.) Zwischendurch sind wir immer wieder zum Fluss gelaufen, da jemand vom Dorf ein Boot gehört hat - es waren auch viele Boote, aber es waren entweder ganz kleine Boote oder sie fuhren in die falsche Richtung, aber die Buschtrommel funktioniert dort ziemlich gut! Die Leute im Dorf waren alle sehr zuvorkommend und hatten stets ein Lächeln im Gesicht. Auch die Kinder hatten ihren Spaß mit uns, als wir mit ihnen im Fluss baden waren. Die Aufgaben zwischen Männer und Frauen sind noch streng geteilt. Die Männer fischen oder arbeiten auf den Feldern und die Frauen kümmern sich um das Essen, die Wäsche und die unzähligen Kinder und wenn sie nicht gerade schwanger sind, dann helfen sie auch auf den Feldern mit.
Was mich jedoch schon etwas schockiert hat, ist die Tatsache, dass dort die Mädchen mit durchschnittlich 12 Jahren ihr erstes Kind bekommen.
Für Birgit waren die 2 Tage im Dorf etwas anstrengender, da dort jede Menge Hühner frei rumliefen. Für sie waren die Tage eine Art Hühnertherapie und mittlerweile bekommt sie keine Panikattacken mehr, wenn sie die Hühner sieht, nervös wird sie aber immer noch.
2 Sonnenuntergänge und eine (gefühlte) Ewigkeit später: Am Samstag Morgen entschließen wir uns mit Elio zurück nach Yurimaguas zu fahren und ev. unterwegs auf das Boot nach Iquitos umzusteigen. Von den Leuten aus dem Dorf wurden wir herzlich verabschiedet und wären nicht die Mosquitos gewesen, hätten wir es durchaus noch länger dort ausgehalten.
Nach ca. 3h Bootsfahrt, diese Bootsfahrt war unbeschreiblich, es wurden Hühner, Eier, Fische usw. auf engstem Raum transportiert, kam uns ein Boot entgegen, es wollte uns allerdings auch nicht mitnehmen.
Zu diesem Zeitpunkt bekamen wir schon Zweifel, ob wir jemals noch Iquitos sehen werden und freundeten uns mit dem Gedanken an, eine Nacht in einem Hotel mit Pool und Dusche! in Yurimaguas zu verbringen - nach 6 Tagen ohne Dusche (ja wir haben ziemlich gestunken, obwohl wir ja auch im Fluss baden waren) ist dies auch kein schlechter Gedanke.
Aber schlussendlich kam doch noch ein Boot vorbei, dass nach Iquitos fuhr und uns sogar mitnahm :D
Unglaublich! Alle Leute auf dem Schiff nach Yurimaguas wedelten mit den Händen und Handtüchern, damit das Schiff nach Iquitos auf uns aufmerksam wurde. - das hat ja dann auch geholfen ;)
Die Schifffahrt war ein Traum, den Rio Marañon entlang, bis er auf den Rio Ucayali trifft und zum Rio Amazonas wird.
Iquitos
In Iquitos angekommen, fuhren wir sofort ins Zentrum. Ein Hotel war schnell gefunden und dann machten wir uns schon auf den Weg zum Hospital. Ja zum Hospital, ich hatte mir einen kleinen Mageninfekt eingefangen. Anschließend haben wir uns wegen dem Canopy Walkway erkundigt (ein Hängebrückenweg in den 850 Jahre alten Bäume, ca. 160km von Iquitos entfernt), leider war der nur im Zusammenhang einer Dschungeltour buchbar, und die hätte auch noch 500 US-Dollar gekostet, und deshalb mussten wir diesen Plan verwerfen.
Dafür besichtigten wir die Schmetterlingsfarm Pilpintuwasi. Diese wird zur Zeit von einer Österreicherin geleitet, sie haben wir zwar nicht getroffen, aber ihren peruanischen Ehemann. Neben den beeindruckenden Schmetterlingen, leben dort auch noch 10 Affen, Papageien, ein Ameisenbär (mit einer 80cm langen Zunge!), ein Jaguar, eine Anakonda und 2 Flussanakonda. Alle Tiere wurden verstoßen oder ihre Mutter wurde ermordet, usw. und deshalb wurden sie zur Rettung in die Schmetterlingsfarm gebracht. Die Affen laufen dort frei herum. Junior, ein ganz Schlauer, hat es sogar geschafft, den doppelten Knoten in Birgits Schuhen ratzfatz aufzumachen gg und mich hat er von hinten "angegriffen", ein anderer hat Birgits Zigaretten gestohlen und wieder ein anderer, "Chavo", hat uns den Kopf massiert - viel Aktion, und für uns das Highilight in Iquitos.
Am letzten Tag waren wir zuerst in Belén und dann noch im Zoo. Belén ist ein Armenviertel in Iquitos mit einem riesengroßen Markt. Wir haben zur Sicherheit den Fotoapparat zu Hause gelassen, deshalb gibt es leider keine Fotos. Das Besondere an Belén ist, dass sie eine schwimmende Barackenstadt ist. Die Häuser sind entweder auf Stelzen oder auf Flößen gebaut und sie steigen und sinken mit dem Flussspiegel.
Im Zoo konnten wir auch einen Flussdelphin fotografieren, aber in der Freiheit sind sie noch beeindruckender! Ich habe auch endlich einen Kayman in voller Montur zu Gesicht bekommen und eine Schlange habe ich auch noch herumgetragen. Aber generell war der Zoo nicht sooo besonders, die Käfige waren alle sehr klein und die meisten Leute fahren nur dort hin, um am Fluss baden zu gehen.
Am Donnerstag Morgen haben wir den Rückweg angetreten. Aus 2 Gründen wollten wir am Vormittag fliegen - 1. wollten wir den Flug über den Amazonas genießen und 2. hat Birgit erfahren, dass sie am Samstag einen Test hat (er wurde im Endeffekt wieder verschoben und sie hat ihn ev. nächste Woche lol). Zwischen ca. 12.00 und 18.00 starten und landen in Iquitos keine Flugzeuge, weil in der Nähe des Flughafens viele Geier leben und dies zu einer Kollision führen könnte.
Der Flug war noch ein Highlight am Ende der Reise!
In diesem Sinne
Hasta luego!
eine noch immer von Mosquitos zerstochene Verena

PS: um zu den Fotos zu gelangen, einfach auf das Bild klicken!
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